Vergleichsstudie: 10 Klingelton-Anbieter im Test
3. Juni 2009
Das Ergebnis
Die Klingelton-Branche sollte ihre Internetauftritte noch mal überarbeiten und überdenken, da teilweise die Probleme so enorm sind, dass es für den Nutzer fast unmöglich ist, seinen Klingelton zu finden, auszuwählen, herunterzuladen und letztendlich auch einen funktionierenden Klingelton zu besitzen. Vor allem die Tatsache, dass viele Menschen ihr eigenes Modell nicht kennen und es mithilfe der Anbieter nicht finden können, fanden wir schockierend. Oft sahen wir annäherungsweise Verbesserungen in diesem Aspekt, jedoch sollten alle Anbieter ihre Stärken untereinander austauschen, um eine perfekte Klingelton-Seite zu erschaffen.
Was haben wir gemacht?
Wir (zwei Praktikanten in der 11. Klasse) haben eine Vergleichsstudie mit zehn Handy-Klingelton-Anbietern durchgeführt. Hierbei wurden anhand eines Prüfszenarios und mit Hilfe von Prüfkriterien zum einen die Online-Verkaufsangebote großer Telekommunikationsanbieter wie T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2, aber auch Online-Anbieter, die ihr Geschäft speziell auf mobile Geräte ausgerichtet haben, wie Jamba, Mload.de, Ringtoneking, Mr. Tones, Musicload und Handy.de bewertet.
Unter Berücksichtigung der Usability-Norm ISO 9241-110 wurden für jedes Dialogprinzip zwei bis fünf Prüfkriterien aufgestellt. Insgesamt wurden fünf Dialogprinzipien aus der Usability-Norm verwendet: Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Erwartungskonformität, Fehlertoleranz und Steuerbarkeit. Die einzelnen Prüfkriterien wurden in die Dialogprinzipien eingeteilt, sodass ein gerechter Vergleich möglich war. Jedes Prüfkriterium wurde im Vier-Augen-Prinzip einerseits quantitativ, d. h. in Form von Schulnoten (1-6), bewertet, andererseits qualitativ, d. h. es wurden die inhaltlichen Schwachstellen identifiziert.
Das Szenario
Herr Muster will für sein Handy das Lied „America“ von der Retro-Rock-Punkgruppe Razorlight aus dem Internet herunterladen. Er hat jedoch ein Problem: Er kennt die Bezeichnung seines Handy-Modells nicht und muss es mithilfe der angebotenen Funktionen finden können. Außerdem möchte er das Lied als „Realtone“ haben, da er von der guten Qualität begeistert ist. Ebenfalls muss es auch möglich sein, dass Herr Muster sich kurzfristig umentscheiden und einfach und schnell einen neuen Titel in derselben Kategorie wählen kann.
Ohne Handy-Bezeichnung kein Klingelton?!
Während wir anhand der Prüfkriterien die einzelnen Klingelton-Anbieter auf ihre „Usability“ testeten, fiel uns sofort auf, dass alle Anbieter eine große Schwäche aufwiesen, die durchaus als Verkaufsstopper zu bezeichnen ist. Um einen Klingelton herunterladen zu können, muss man nämlich sein Handy-Modell auswählen, um herauszufinden, ob der gewünschte Klingelton für das eigene Handy überhaupt vorhanden ist bzw. auf diesem Modell überhaupt funktionieren kann. Ältere Handy-Modelle bspw. können keine „Realtones“ abspielen, also Klingeltöne, die eine MP3-Qualität aufweisen. Anscheinend ist der Klingelton-Branche jedoch nicht bewusst, dass die Mehrheit der Zielgruppe das eigene Handy gar nicht kennt. Viele wissen lediglich den Hersteller ihres Modells, aber nicht die genaue Bezeichnung. Diese Tatsache ist erschütternd, da es die Branche so nicht schaffen kann, ihre Klingeltöne an die Zielgruppe zu verkaufen.
„Hilfe, ich kenn’ mein Handy nicht!“
Was bietet die Branche für Hilfen an, um das Handy-Modell trotzdem zu finden? Nun, Hilfen gibt es schon einige, aber trotz alledem gestaltet sich die Suche sehr schwierig. Das Problem ist schnell gefunden: Die gezeigten Bilder der einzelnen Handy-Modelle sind entweder unscharf oder zu klein geraten. Ebenfalls frustrierend ist die Tatsache, dass die so genannten „Klapp-Handys“ nicht immer einheitlich „eingeklappt“ dargestellt, sondern mal eingeklappt und mal ausgeklappt angezeigt werden. Wenn man also als Nicht-Kenner seines Modells sein Handy suchen möchte und sein Klapp-Handy eingeklappt vor sich liegen hat, ist eine hohe Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass sein Handy als ausgeklappt im Internet zu finden ist und der Nutzer somit sein Handy nicht finden kann. Dies wiederum führt dazu, dass der Nutzer die Seite verlässt und auf den gewünschten Klingelton verzichtet.
Insgesamt keine Glanzleistung!
Nachdem wir die Gesamtnote der Branche (mithilfe der Gesamtnote jedes Anbieters) ermittelt haben, fiel uns auf, dass die Branche keine Glanzleistung erreicht hat. Bester Klingelton-Anbieter in dieser Vergleichsstudie ist T-Mobile mit einer Gesamtnote von 1,94 („gut plus“) und mit hohem Vorsprung auf den Zweitplatzierten Jamba, der eine Endnote von 2,38 („noch gut“) erreichte. Verlierer dieser Studie sind E-Plus mit „noch befriedigend“ (3,38) und O2, ebenfalls mit der Note „noch befriedigend“ (3,69). Bei Letzterem war es bspw. nicht möglich, sein Handy-Modell auszuwählen – weder mit Wissen über die Bezeichnung noch ohne dieses Wissen! Dieses große Manko führt dazu, dass der Nutzer nicht wissen kann, ob sein gewünschter Klingelton mit seinem Handy-Modell kompatibel ist. Diese Tatsache macht es unmöglich, sicherzustellen, dass man für sein Geld das bekommt, was man erwartet, da ja bspw. „Realtones“ nicht auf allen Handy-Geräten abspielbar sind.
Eine weitere große Schwäche ist, dass Nebenkosten, wie z. B. Verbindungs- und Transportkosten, nicht eindeutig angegeben werden. Meist findet man diese nur versteckt im Kleingedruckten oder sie werden gar nicht erst erwähnt.
Was könnte man verbessern?
Verbesserungsvorschläge haben wir einige, da die Anbieter von Fehlern und Problemen nur so strotzen. Ein wichtiges Merkmal, was verbessert werden sollte, wäre die Erkennung des eigenen Handy-Modells. Zwar versuchen die meisten Handy-Anbieter anhand von Bildern dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, sein Modell finden zu können, jedoch sind diese teilweise zu klein oder nicht in der Farbe oder Form dargestellt, wie es der Nutzer bei seinem Handy sehen kann. Hier sollte z. B. die Farbauswahl möglich sein sowie eine einheitliche Darstellung der Klapp-Handys verwendet werden. Ein weiterer Vorschlag für die Verbesserung der Klingelton-Auswahl wäre die alphabetische Ordnung der Interpreten und der Titel. Zudem sollte der Anfangsbuchstabe des Titels und des Interpreten immer wählbar sein. Dies vereinfacht die Suche nach dem gewünschten Klingelton immens und sollte definitiv bei allen Anbietern zu finden sein, um die Kauflust beim Nutzer nicht zu stoppen.

