Smart Metering fĂŒr BĂŒroarbeitsplĂ€tze

30. August 2011

Das Thema „Energie“ ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. In diesem Zusammenhang wird oft der Begriff „Smart Metering“ gebraucht. Diese Technologie liefert detaillierte Informationen ĂŒber den eigenen Stromverbrauch und lĂ€sst somit Energie-Einsparpotenziale erkennen.

Ist es technisch möglich, Mitarbeitern an ihrem Arbeitsplatz den Stromverbrauch mitzuteilen? Was bewirkt es, wenn die Mitarbeiter wissen, wie viel Strom sie verbrauchen? Sind Mitarbeiter ĂŒberhaupt motiviert, Strom zu sparen?
Tobias Schwartz und seine Kollegen vom Fraunhofer-Institut fĂŒr Angewandte Informationstechnik FIT sind diesen Fragen in einer Studie nachgegangen.

Die Untersuchung

Ziel der Untersuchung war es zu klĂ€ren, welche Auswirkungen die Offenlegung von Smart-Metering-Daten am BĂŒroarbeitsplatz hat und welche Konsequenzen dadurch fĂŒr die Gestaltung von betrieblichen Umweltinformationssystemen (BUIS) entstehen. Diese Systeme registrieren Umweltinformationen, arbeiten diese Daten auf und spiegeln sie dem Nutzer wieder.
Dazu wurden an einer deutschen Forschungseinrichtung mit ca. 950 Mitarbeitern einzelne BĂŒrorĂ€ume mit der Smart-Metering-Technologie ausgestattet.

Die Ergebnisse

Die Mitarbeiter zeigten sich motiviert, sich mit dem eigenen Stromverbrauch und dem der anderen auseinanderzusetzen. 70 Prozent von ihnen waren an einem „unmittelbaren Feedback ĂŒber den persönlichen Verbrauch“ interessiert und wĂŒnschten sich detaillierte Daten und Messinformationen auf GerĂ€televel, um individuelle Verhaltensweisen anpassen zu können.
Können Mitarbeiter ihre eigenen Verbrauchswerte mit denen der Kollegen vergleichen, bekommen sie einen Referenzrahmen und sind in der Lage, den eigenen Konsum besser zu bewerten.

38 Prozent der Mitarbeiter wollen die eigenen Werte mit dem Gesamtwert des Instituts vergleichen und 36 Prozent mit dem durchschnittlichen Verbrauch aller Mitarbeiter des Instituts. Nur 5 Prozent sind am Vergleich mit „ausgewĂ€hlten Kollegen“ interessiert.

44 Prozent lehnen es ab, den persönlichen Verbrauch öffentlich freizugeben, obwohl dadurch auch die Möglichkeit bestehen wĂŒrde, vom Kollegen zu lernen, wo Energie eingespart werden kann, wenn man das Arbeitsumfeld und die Aufgaben des anderen kennt und so mit den eigenen verglichen kann.

Mitarbeiter sind zudem besorgt, dass Personalverantwortliche aufgrund der Verbrauchsdaten auf das „Engagement am Arbeitsplatz“ schließen. 38 Prozent der Befragten meinen nĂ€mlich, dass das individuelle Stromverbrauchsprofil nicht viel ĂŒber die Art zu arbeiten aussagt.

Die Empfehlungen

Der individuelle Stromverbrauch ist eine „sensible Information“, „die nicht allen Personen öffentlich zugĂ€nglich sein sollte“. Alternativ kann man jedem Mitarbeiter den Durchschnittswert des Gesamtverbrauchs aller Mitarbeiter im „gleichen organisatorischen Zusammenhang“ als Vergleichswert zum eigenen Verbrauch zur VerfĂŒgung stellen. Der Datenschutz bleibt hierbei gewahrt.

Die Optimierung des Energieverbrauchs am BĂŒroarbeitsplatz gelingt nur durch die Einbeziehung aller Mitarbeiter.
Allein schon außerhalb der Arbeitszeit können 50 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden. Das Einsparpotential in der Kernarbeitszeit ist dagegen ein schwieriges Thema, da dies immer von den unterschiedlichen Aufgaben und des damit verbundenen Energieeinsatzes abhĂ€ngig ist.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollten bei der Gestaltung von betrieblichen Umweltinformationssystemen einfließen.
Die Technologie sollte so gestaltet sein, dass sie dem Nutzer „Informationen zur Vermeidung unnötigen Verbrauchs“ liefert und (vor allem) komplexe Informationen adressatengerecht aufgearbeitet haben.

Da anhand der Energieverbrauchsdaten das Arbeitsalltagsverhalten abgebildet werden kann, sollte jeder Mitarbeiter selbst entscheiden können, ob er seine Daten fĂŒr andere transparent macht oder nicht. Dies ist ein wichtiger Punkt, der im Entwicklungsprozess beachtet werden muss.

Titel: Smart Metering fĂŒr BĂŒroarbeitsplĂ€tze
Autor(en): Schwartz, T.; Betz, M.; Stevens, G.
Journal: Praxis der Wirtschaftsinformatik
Heft: 278 (April 2011)
Seiten: 104 – 113

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