(Die neue) DIN EN ISO 9241-110 („Grunds√§tze der Dialoggestaltung“)

19. September 2007

Die Kern-Norm f√ľr User Interfaces liegt seit April 2006 in einer neuen, √ľberarbeiteten Form vor. Im Zuge der √úberarbeitung wurde der Geltungsbereich der Norm auf interaktive Systeme aller Art erweitert. Die Integration inhaltlich zur ISO 9241 geh√∂riger Normen in die Normenreihe, machte ein neues Nummerierungschema der Normreihe notwendig. Die sieben Grunds√§tze der Dialoggestaltung der alten Norm ISO 9241-10 wurden in der neuen Norm ISO 9241-110 grunds√§tzlich beibehalten aber durch eine Pr√§zisierung weiter verbessert.

Warum wurde die urspr√ľngliche Norm ISO 9241-10 √ľberarbeitet?

Alle ISO-Normen werden im F√ľnfjahres-Rythmus auf Aktualisierungsbedarf hin durch die Internationale Standardisierungsorganisation (ISO) √ľberpr√ľft. So wurde auch die Norm ISO 9241-10 von 1995 (deutsche Fassung DIN EN ISO 9241-10 von 1996) im Jahr 2000 √ľberpr√ľft und Bedarf f√ľr Aktualisierungen vom zust√§ndigen Normungsgremium ISO/TC159/SC4/WG5 identifiziert. Die √úberarbeitung der Norm selbst nahm durch die erforderlichen internationalen Review- und Konsensprozesse insgesamt 5 Jahre in Anspruch. Seit 01.04.2006 liegt nun DIN EN ISO 9241-110 als Nachfolger der DIN EN ISO 9241-10 √∂ffentlich vor.

Warum eine neue Nummer?

Die Normenreihe ISO 9241 „Ergonomics of human-system interaction“ (Deutsch „Ergonomie der Mensch-System-Interaktion“) bestand zun√§chst aus 17 Teilen. Im Laufe der Jahre wurde sowohl Bedarf f√ľr die Entwicklung weiterer Teile entdeckt sowie die Integration von Normen, die zwar au√üerhalb der Normenreihe entstanden sind (z.B. ISO 13407, ISO 14915), jedoch inhaltlich de facto in die Normenreihe ISO 9241 geh√∂ren. Vor diesem Hintergrund entschied die ISO, die Normenreihe ISO 9241 mit einem neuen Nummerierungsschema zu versehen, um eine aus Lesersicht schl√ľssige neue Struktur f√ľr die Normenreihe bereitzustellen. In dieser neuen Struktur werden dann auch die zurzeit in der Entstehung befindlichen Normen DIN EN ISO 9241-151 „Gestaltung von Benutzungsschnittstellen f√ľr das World Wide Web“ und DIN EN ISO 9241-171 „Richtlinien f√ľr die Zug√§nglichkeit von Software“ integriert werden.

Was ist inhaltlich neu in der ISO 9241-110?

Der Geltungsbereich der Norm wurde erweitert, sodass jetzt nicht nur Software im Fokus steht, sondern „interaktive Systeme“ aller Art, also auch Hardware. Der Titel der Normenreihe DIN EN ISO 9241 wurde von „Ergonomische Anforderungen f√ľr B√ľrot√§tigkeiten mit Bildschirmger√§ten“ ge√§ndert auf „Ergonomie der Mensch-System-Interaktion“, um die fr√ľhere Einschr√§nkung auf B√ľroarbeit aufzul√∂sen. Der Begriff der „Benutzungsschnittstelle“ (englisch „User Interface“) ist nun endlich klar und international definiert als „Alle Bestandteile eines interaktiven Systems (Software oder Hardware), die Informationen und Steuerelemente zur Verf√ľgung stellen, die f√ľr den Benutzer notwendig (!) sind, um eine bestimmte Arbeitsaufgabe mit dem interaktiven System zu erledigen.“

Es wurde ein Framework aufgenommen (siehe Abbildung 1), der die Anwendung der Norm beschreibt. Hierzu enthält die Norm auch ein durchgängiges Beispiel.
Abbildung 1

 

Was ist beibehalten worden?

Grunds√§tzlich wurde die DIN EN ISO 9241-110 bei der √úberarbeitung nicht „auf den Kopf gestellt“, sondern vielmehr systematisch verbessert und pr√§zisiert.

Die sieben folgenden Grunds√§tze der Dialoggestaltung (umgangssprachlich auch „Dialogprinzipien“ genannt)

  • Aufgabenangemessenheit;
  • Selbstbeschreibungsf√§higkeit;
  • Erwartungskonformit√§t;
  • Lernf√∂rderlichkeit;
  • Steuerbarkeit;
  • Fehlertoleranz;
  • Individualisierbarkeit

sind nach wie vor in der Norm enthalten, ihre Definitionen wurde jedoch geschärft.

So ist Selbstbeschreibungsf√§higkeit jetzt definiert wie folgt: „Ein Dialog ist in dem Ma√üe selbstbeschreibungsf√§hig, in dem f√ľr den Benutzer zu jeder Zeit offensichtlich ist, in welchem Dialog, an welcher Stelle im Dialog sie sich befinden, welche Handlungen unternommen werden k√∂nnen und wie diese ausgef√ľhrt werden k√∂nnen.“

Es wurde kein „neues“ Prinzip aufgenommen, ein Bedarf hierf√ľr konnte nicht erkannt werden.

Fazit

Die Empfehlungen an die Gestaltung von Benutzungsschnittstellen, die den eigentlichen Inhalt der DIN EN ISO 9241-110 bilden, wurden umfassend √ľberarbeitet und mit umfassenden Beispielen sowohl aus dem Softwarebereich als auch dem Hardwarebereich ausgestattet. Dieses State-of-the-Art Know How geh√∂rt in jedes Hochschul-Curriculum und in jedes Softwareentwicklungshandbuch.

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