Klicken mit Blicken

26. April 2005

Ein Blick sagt manchmal mehr als tausend Worte. Dementsprechend widmen wir den zweiten Artikel unserer Beitragsreihe „Innovative Interaktionsformen“ einer Technologie, die es Benutzern erlaubt, einen Computer durch Blickbewegungen zu steuern. Das Produkt „Iriscom“, welche von der gleichnamigen spanischen Firma hergestellt und vertrieben wird, erfasst die Blickbewegungen der Benutzer durch ein Eye-Tracking-System. Das Prinzip ist einfach: der Mauszeiger wird nicht mehr durch die Maus, sondern durch den Blick gesteuert. Ein Mausklick wird durch ein langsames Augenblinzeln umgesetzt.

Das Funktionsprinzip

Die Grundlage f├╝r die Technologie bildet ein so genanntes Eye-Tracking- System. Vereinfacht dargestellt besteht ein Eye-Tracking-System aus einer kleinen Videokamera, die auf ein Auge des Benutzers fokussiert ist. Eine spezielle Software ist nun in der Lage, durch die Videoaufnahme des Auges R├╝ckschl├╝sse zu ziehen, auf welchen Punkt Bildschirm der Benutzer gerade seine Aufmerksamkeit richtet. Vorraussetzung hierf├╝r ist, dass das System vorher kalibriert wurde, um die Blickrichtung des Benutzers auch ad├Ąquat abzubilden.

Die Information ├╝ber den aktuellen Blickfokus des Benutzers wird von dem Produkt Iriscom als Substitut f├╝r die Maussteuerung eingesetzt. Einfach ausgedr├╝ckt, wird der Mauszeiger genau dorthin auf dem Bildschirm gesetzt, wo der Benutzer gerade hinschaut. Ein absichtlich durchgef├╝hrtes Blinzeln mit den Augen wird als Mausklick interpretiert. Somit kann der Benutzer die meisten Standard-Windows-Anwendungen per Augenbewegungen steuern. Alternativ kann auch eine l├Ąngere Fokussierung eines Punktes auf dem Bildschirm als Mausklick interpretiert werden. In Kombination mit einer Tastatur, die direkt auf dem Bildschirm abgebildet ist, wie zum Beispiel von Handheld-Ger├Ąten bekannt, kann der Benutzer auch Texte per Augenbewegungen eingeben.

Iriscom verspricht, dass sich das Produkt auch bei Brillen- und Kontaktlinsentr├Ągern einsetzen l├Ąsst. Allerdings benutzt Iriscom ein so genanntes station├Ąres Eye-Tracking-System. Das hei├čt, dass die Kamera, die die Blickbewegungen aufnimmt an einem Ort fest montiert ist, in diesem Fall auf dem Computer, auf welchem die Iriscom-Anwendung l├Ąuft. Zwar k├Ânnen durch einen eingebauten Rotationsmotor in der Kamera kleinere Kopfbewegungen des Benutzers nachverfolgt werden, aber f├╝r einen effektiven Einsatz der Technologie muss der Benutzer gr├Â├čere Kopfbewegungen vermeiden und den Kopf so stabil wie m├Âglich in derselben Position halten.

Die Zielgruppe

Laut dem Hersteller Iriscom eignet sich die Technologie vor allem f├╝r Menschen mit einer k├Ârperlichen Einschr├Ąnkung, die es den Betroffenen nicht erlaubt, mit Hilfe der Standardeingabeger├Ąte, Maus und Tastatur, einen Computer zu bedienen.

Ben├Âtigtes Equipment

Den Grundbaustein der Technologie bildet das Eye-Tracking-System, welches f├╝r 8000 ÔéČ ├╝ber den Hersteller bezogen werden kann. In dem Preis enthalten ist ein Training des Benutzers durch entsprechend geschultes Personal. Der Betreuer besucht den Benutzer vor Auslieferung des Produktes um den Einsatz des Systems zu testen und um mit dem Benutzer die ben├Âtigten Software-Anwendungen zu vereinbaren. Die Kosten f├╝r den Einsatz kommerzieller Software muss der Benutzer selbst tragen. Bei Lieferung des Produktes erhalten der Benutzer und eventuelle Betreuungspersonen eine weitere Schulung in Bezug auf Nutzung und Einrichtung des Systems.

Auf Wunsch liefert Iriscom einen Komplettsatz zur Nutzung der Technologue, die auf einem leistungsstarken Laptop f├╝r den flexiblen Einsatz installiert wird. Der Laptop schl├Ągt mit ca. weiteren 1300 ÔéČ zu Buche. In diesem Fall wird das System komplett mit den zuvor vereinbarten Software-Anwendungen geliefert. Allerdings weist Iriscom darauf hin, dass der Laptop ausschlie├člich f├╝r diese Zwecke genutzt werden soll, da „normale“ Installationen von Software-Anwendungen eventuell mit der Spezialanwendung interferieren k├Ânnen.

Bis dato ist das Iriscom Produkt in Spanien, Portugal, Frankreich und England zu beziehen. Interessierte finden auf der Homepage von Iriscom weitere Informationen.

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