Mobile Interaktion und Aufmerksamkeit

19. Dezember 2005

Bei mobil benutzbaren GerĂ€ten mĂŒssen Menschen ihre Aufmerksamkeit hĂ€ufig auf verschiedene Dinge gleichzeitig richten. Die freien Ressourcen fĂŒr die Interaktion mit dem GerĂ€t sind in alltĂ€glichen Situationen deutlich eingeschrĂ€nkt. Die Untersuchung von Oulasvirta gibt Hinweise darauf, wie ein gutes Design diesem Umstand Rechnung tragen und die Aufmerksamkeit des Benutzers entlasten kann.

Benutzer von mobilen GerĂ€ten mĂŒssen „multitaskingfĂ€hig“ sein oder anders ausgedrĂŒckt, ihre Aufmerksamkeit auf verschiedene Dinge aufteilen können.Ein alltĂ€gliches Beispiel sind FußgĂ€nger, die stoppen mĂŒssen, um eine sms zu schreiben. Schon das Schreiben einer sms an sich verlangt ein recht hohes Maß an Aufmerksamkeit. In dieser Situation muss die Person aber gleichzeitig dafĂŒr sorgen, dass sie weiterhin in die richtige Richtung geht, nicht mit anderen Menschen zusammenstĂ¶ĂŸt, nicht von Autos ĂŒberfahren wird und vieles mehr.

Niedrige Aufmerksamkeitsspanne

In der vorliegenden Untersuchung wurden Personen in ihrer alltĂ€glichen Interaktion mit mobilen GerĂ€ten beobachtet. Ziel des durchgefĂŒhrten Feldexperiments war zunĂ€chst eine nĂ€here Bestimmung der Bedeutung und des Ausmaßes der Aufmerksamkeitsaufteilung bei mobilen Interaktionen.
Die gewonnenen Daten zeigen, dass Aufmerksamkeit im Alltag extrem kurzfristig und impulsiv ist. Zwei Maße waren dabei fĂŒr die Forscher besonders aufschlussreich: Die Aufmerksamkeitsspanne und die HĂ€ufigkeit der Aufmerksamkeitsverlagerung. WĂ€hrend in Laborsituationen durchschnittlich eine kontinuierliche Aufmerksamkeit von 16 Sekunden erreicht wird, sinkt diese im Feld auf 4 – 8 Sekunden. Unter Laborbedingungen bewegen Versuchspersonen ihre Aufmerksamkeit durchschnittlich weniger als ein Mal von einer ladenden Webseite weg, bis diese fertig aufgebaut ist. In einer normalen Umgebung geschieht dies hingegen bis zu acht Mal.

Strategien der AufgabenbewÀltigung

Gleichzeitig sollte mit Hilfe der Untersuchung aufgeklÀrt werden, welche Strategien Benutzer anwenden, um die unterschiedlichen Anforderungen gleichzeitig zu bewÀltigen.
Eine vielfach beobachtete Strategie ist ein RĂŒckzug der Ressourcen von weniger wichtigen Aufgaben. Dazu gehören beispielsweise eine Verlangsamung der Gehgeschwindigkeit sowie das Verschieben oder Weglassen von unwichtigen Aufgaben.
Eine Verwendung stĂ€rker ausgefeilter Strategien wird durch das Vorwissen einer Person ĂŒber eine bestimmte Situation ermöglicht. Zum Beispiel können Berufspendler auf dem Weg zur Arbeit „vorprogrammieren“ was passieren wird, nachdem die U-Bahn den Bahnhof verlĂ€sst. Danach lassen sie das Programm „zur Arbeit fahren“ ablaufen und beschrĂ€nken sich auf einige kurze ÜberprĂŒfungen des Ablaufs. Die freigewordenen Aufmerksamkeitsressourcen können stattdessen fĂŒr die Interaktion mit Handy oder Laptop genutzt werden.

Design mobiler GerÀte

GerĂ€te fĂŒr die mobile Interaktion mĂŒssen demnach besondere Anforderungen erfĂŒllen, um den Benutzer bei seinen Aufgaben zu unterstĂŒtzen und zu entlasten. Welche Anforderungen dies im Detail sind, hĂ€ngt stark von der jeweiligen Nutzungssituation ab und kann nur durch eine Analyse der Situation aufgeklĂ€rt werden.
Aus den Ergebnissen ihrer Beobachtungen leiten die Forscher allerdings einige allgemeine Empfehlungen ab, wie ein gutes Design den Aufmerksamkeitsproblemen bei mobilen Anwendungen entgegenwirken kann. Diese sind:

  • sehr kurze Interaktionseinheiten
  • weitgehende Automatisierung oder Eliminierung von unwichtigen Aufgaben
  • AufgabenausfĂŒhrung wahlweise ĂŒber verschiedene SinnesmodalitĂ€ten
  • Feedback wahlweise ĂŒber verschiedene SinnesmodalitĂ€ten
  • UnterstĂŒtzung einer schnellen Wahrnehmung von VerĂ€nderungen
  • zeitliche Kontrolle des Ablaufs liegt beim Benutzer
  • Ermöglichung unsanktionierten Verzögerungen von Reaktionen
  • Hinweise fĂŒr VerstĂ€ndnis und leichte Antizipation bevorstehender Anforderungen

Originaltitel: The Fragmentation of Attention in Mobile Interaction, and What to Do with It
Autor(en): Oulasvirta, A.
Journal: Interactions
Ausgabe:12(6)
Seiten: 16 – 18

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