„Smart City Challenge“ – ein Pen & Paper Hackaton

21. November 2018

Fragen Sie sich auch manchmal, was es nicht alles an verrĂŒckten Konferenzformaten (oder auch „Unkonferenzen“) gibt und dass Sie nicht so langsam die gesamte Bandbreite des Tagungsdesigns 2.0. kennen mĂŒssten – CafĂ©s, Camps oder Jams
 Oder wie in unserem Fall ein Hackathon.

Neulich – am 20./21. September 2018 – war ich nĂ€mlich zum ersten Mal mit einer meiner Kolleginnen auf einem Pen & Paper Hackathon. Dieser fand unter der Headline „Smart City Challenge“ statt und wurde ausgerichtet vom Digital Innovation Hub DĂŒsseldorf.

Ihnen ist nicht auf Anhieb sonnenklar was ein Hackathon ist – oder Sie zwar wissen was ein Hackathon ist aber sich fragen was das mit Pen & Paper zu tun hat, denn wo bleibt der Spaß wenn nicht etwas „entwickelt“ wird? – Keine Sorge, ich werde es kurz erlĂ€utern.

Ich weiß nicht wie sportlich Sie sind und möchte Ihnen auch gar nicht zu nahetreten. Aber mein Plan ist es vor meinem 30. Lebensjahr zumindest einen Halbmarathon gelaufen zu sein. GemĂ€ĂŸ meinem Projektmanagementhandbuch (auch Dr. Google genannt) ist dieses Ziel SMART. Warum ich nun von Sport fasele und irgendwelche schlauen Zieldefinitionen aus der Schublade krame?

Ganz einfach: das Wörtchen „Hackathon“ stammt von dem Wörtchen „Marathon“ ab. Und das PrĂ€fix „Hack“ im besagten Wort – na wer möchte es erraten? – Ja genau, es steht tatsĂ€chlich fĂŒr den „Hacker“. Ein Hacker – ziehen wir das Gabler Wirtschaftslexikon zu Rate – ist ein talentierter, passionierter Programmierer (falls Sie mich kennen wĂŒrden, wĂŒrden Sie sich fragen, was zum Teufel ich dann da zu suchen hatte – Kaffee trinken?). Aber lassen Sie mich die Definition noch ein StĂŒckchen weiter zitieren, so ist ein Hack nĂ€mlich eine „verblĂŒffend einfache, (manchmal) elegante Lösung eines nicht trivialen Problems“. Ha, und das kann ich! Denn bei der Veranstaltung handelte es sich nicht um einen „normalen“ Hackathon bei dem wild hin- und hergecodet wird (in meinem Kopf sitzen bei einem solchen Event schwarz gekleidete Gestalten in einer dunklen Garage und das einzige was zu hören ist, ist das hĂ€mmernde GerĂ€usch von leidenden Tastaturen – Klischeeende, Ironie aus – entschuldigt bitte liebe ArbeitskollegInnen und LeserInnen) sondern es sollte eine kreative, innovative Idee fĂŒr eine bestimmte „Challenge“ entwickelt und ein Konzept ausgearbeitet werden und zwar – hier besteht der Unterschied – mit Hilfe der gĂ€ngigen Mittel: Stift und Papier.
Und ich möchte nicht ĂŒberheblich klingeln, aber mit Stift und Papier kann ich umgehen.

Bei dem Konzept des Pen & Paper Hackathon geht es demnach vielmehr um die Ideengenerierung, das â€žĂŒber den Tellerrand“ Hinausschauen und das gedankliche AustĂŒfteln kluger Lösungen. In dem zeitlichen Rahmen, der durch die Veranstaltung gegeben ist, sollte somit zu einem bestimmten Problem eine Lösung kreiert und darĂŒber hinaus ein Business-Modell aufgestellt werden.

Um das Ganze noch ein wenig greifbarer zu machen, folgt eine kurze Skizzierung des Ablaufes der besagten Veranstaltung. Zu Beginn (bedeutet nach dem FrĂŒhstĂŒck 😉 ) gab es eine Praxiskonferenz zum Thema „Smart City“ bei der verschiedene Vortragende ihre Visionen, Ideen und Konzepte vorstellten. Anschließend wurden die Challenges preisgegeben. So sollte zum Beispiel das BĂŒrger-Rathaus Essen innovativer gestaltet werden, die Stadtwerke DĂŒsseldorf wollte einen modernen und allumfassenden, kundennahen Servicepoint designen und die SAP gegen spontan eintretende Umweltkatastrophen eine Lösung entwickeln.

Ab 14 Uhr startete nun der Pen & Paper Hackathon bei dem sich die Gruppen je nach Interessenslage selbst zusammengefunden haben. Und nach einer kurzen Grounding-Phase wurde direkt los gebrainstormed und fleißig Post-It Zettelchen geschrieben. Wir als FIT-Mitarbeiterinnen konnten direkt unsere Kompetenz in die Workshop-Gestaltung und Teamarbeit einfließen lassen und haben verschiedene KreativitĂ€tsmethoden ausprobiert, um fĂŒr unsere auserwĂ€hlte Challenge im Team eine Lösung zu finden. Bis 21 Uhr saßen wir zusammen und haben unser Bestes gegeben.

Am nĂ€chsten Tag erfolgte die Siegerehrung und das Event klang mit einem netten zwanglosen Networking-Mittagessen aus. An dieser Stelle noch einmal Gratulation an alle Gewinner, denn vor allem die Erstplatzierten haben einen großartigen „Hack“ geschaffen. Weitere Informationen ĂŒber die Preise, die Gewinner oder den Ablauf können auf der Seite des digihubs gefunden werden.

Betrachtet man nun im Nachgang die vorgestellten Ergebnisse der einzelnen Gruppen, zeigt sich, dass je prĂ€zisier die Challenge bereits von den Challenge-GeberInnen formuliert wurde, desto eher konnte das Team innerhalb der kurzen Zeit des Hackathon eine konkrete Lösung ausarbeiten und prĂ€sentieren. Wurden die Zielgruppen bereits identifiziert oder konnte es im Laufe des Hackathon geschehen, so waren die Gruppen fĂ€hig eine maßgeschneiderte Lösung zu entwickeln. Blieben jedoch der oder die EndnutzerInnen unklar oder der Scope war zu weit gesteckt, so zeigte sich, dass sich die vorgestellten Lösungsideen in einem unreiferen Stadium befanden. Die Krux bei der Formulierung einer Challenge ist, dass genĂŒgend Platz fĂŒr eine innovative Lösungserarbeitung bleibt und dem Team nicht zu viel Spielraum genommen wird, aber die Gruppe dennoch die gestellte Challenge innerhalb der gegebenen Zeit meistern kann und nicht das Wesentliche aus den Augen verliert. Ähnlich einer Zieldefinition sollte demnach auch eine Challenge gewissen Anforderungen gerecht werden.

Dieser Teil sollte niemals unterschĂ€tzt werden, denn nur wenn die Challenge so ausgearbeitet und formuliert ist, dass sie eine perfekte Balance zwischen Konkretheit und Offenheit aufweist, ist ein solides Fundament fĂŒr die nachfolgenden Schritte gegeben.

Falls Sie sich nun noch wissen möchte, was fĂŒr Menschen Sie an einer solchen Veranstaltung antreffen werden – kann ich Ihnen nur raten sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Denn mein Eindruck war, dass ein ganz bunt gemischtes Potpourri an Personen vor Ort ist, sodass man bei jeder neu angefangenen Unterhaltung wieder aufs Neue erstaunt war, wen man dort alles kennenlernen kann.

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