Wie sollte man den Titel von einzelnen Dokumenten gestalten?

15. Februar 2008

Hallo,
ich las gerade Ihre Tipps und da fiel mir eine Frage wieder ein, die ich mir schon ├Âfter gestellt habe: Wie sollte man den Titel von einzelnen Dokumenten gestalten? F├╝r die Homepage ist der Firmenname ja sch├Ân und gut, wenn aber bspw. bei der Deutschen Bank auch jede Seite mit Informationen zu Wertpapieren den Titel „Deutsche Bank AG“ tr├Ągt, ist das nat├╝rlich schlecht.

Nimmt man da besser „Deutsche Bank AG: Wertpapiere und Investmentfonds“ (als Beispiel) oder eher andersherum „Wertpapiere und Investmentfonds – Deutsche Bank AG“ oder l├Ąsst man wohlm├Âglich am besten den Firmennamen weg (was aber wieder etwas weniger Klarheit in Suchergebnissen schafft)? Vielleicht w├Ąre das noch mal ein Thema f├╝r einen Usability Tipp.

Antwort

Lieber Leser,

bezogen auf den Titel einer Internetseite, der aus dem Title Tag in HTML-Dokumenten ├╝bernommen wird, ist die Frage nach der Gestaltung f├╝r den Benutzer der Seite eher von geringer Bedeutung. Aus meiner Erfahrung beachten die Benutzer die Bezeichnungen des Title Tags nur selten, da sich dieser au├čerhalb ihres Fokus befindet.

Wichtig ist der Seitentitel jedoch, wenn es um das Auffinden der jeweiligen Seite ├╝ber eine Suchmaschine geht. Je mehr Begriffe der Titel hat, desto wahrscheinlicher kann der Benutzer die Seite ├╝ber die Suchmaschine finden. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, alle kontextrelevanten Merkmale anzugeben. In Ihrem Beispiel w├Ąre das, sowohl der Namen der Bank als auch eine konkretere Beschreibung des Seiteninhalts (z. B. ├ťberschrift des Inhalts). Um die Auffindbarkeit der Seite zu steigern, kann auch die gesamte Struktur der „Bread Crumbs“ in den Titel ├╝bernommen werden. Dies ist aber nur dann anzuraten, wenn nicht zu viele Navigationsebenen vorliegen.

Bez├╝glich der Reihenfolge der Begriffe sollte grunds├Ątzlich die f├╝hrende Information zuerst genannt werden. In Ihrem Beispiel w├Ąre das „Wertpapiere und Investmentfonds – Deutsche Bank AG“.

Aus Usability-Sicht von gr├Â├čerer Bedeutung ist die Beschriftung des Content-Bereichs einer Internetseite. Die ├ťberschrift des Content-Bereichs und der Fenster tr├Ągt wesentlich zur Orientierung des Benutzers auf einer Seite bei. Aus diesem Grund ist es essentiell wichtig, dass jede neue Seite, jede Maske, jedes Fenster etc. eine sinnhafte ├ťberschrift erh├Ąlt.

Es ist h├Ąufig zu beobachten, dass verschiedene Content-Bereiche oder Fenster die gleiche ├ťberschrift tragen (z. B. „Deutsche Bank AG“ auf allen Seiten mit Informationen zu Wertpapieren). Der Benutzer kann hier anhand der ├ťberschrift nicht auf Anhieb erkennen, welche Art von Informationen er auf dieser Seite erh├Ąlt bzw. welche Aktionen von ihm erwartet werden. Zudem ist dem Benutzer so vielfach nicht klar, an welcher Stelle im Dialogablauf er sich gerade befindet. Dies f├╝hrt zu Verwirrung und Orientierungslosigkeit beim Benutzer und verst├Â├čt somit gegen das Prinzip der Selbstbeschreibungsf├Ąhigkeit.

Sinnhaft ist eine ├ťberschrift dann, wenn sie den Inhalt des zu beschreibenden Bereichs eindeutig umschreibt. Es sollte kein weiteres Fenster oder keinen weiteren Content-Bereich mit gleicher ├ťberschrift aber unterschiedlichen Inhalten geben. So sollte in Ihrem Beispiel der Content-Bereich einer Seite mit allgemeinen Informationen zu Wertpapieren auch entsprechend benannt werden. Die Unterseiten hierzu, Seiten mit Detailinformationen zu einzelnen Wertpapieren wiederum, sollten den Namen des beschriebenen Wertpapiers tragen. Gleiches gilt f├╝r die ├ťberschriften von Fenstern etc.

Grunds├Ątzlich w├╝rde eine ├ťberschrift „Wertpapiere und Investmentfonds“ f├╝r den Content-Bereich einer Seite mit allgemeinen Informationen zu Wertpapieren und Investmentfonds ausreichen. Allerdings ist es aus Marketinggesichtspunkten h├Ąufig gew├╝nscht, auch weitere Informationen hinzuzuf├╝gen, wie z. B. „Deutsche Bank AG“. Aber auch aus Usability-Sicht kann es sinnvoll sein, die ├ťberschrift zu erweitern. Beispielsweise ist dies der Fall, wenn dem Benutzer sonst nicht klar ist, unter welcher Rubrik oder welchem Men├╝punkt er sich gerade befindet. In diesem Fall sollte auch hier immer die f├╝hrende Information zuerst genannt werden („Wertpapiere und Investmentfonds – Deutsche Bank AG“), so dass die f├╝r den Benutzer wichtigste Information als erstes gelesen wird.

Es ist jedoch darauf zu achten, dass die ├ťberschriften nicht zu lang werden. Sie sollten nicht den gesamten Pfad, den der Benutzer bis zu dem vorliegenden Fenster oder zur vorliegenden Seite gegangen ist, abbilden. Um dem Benutzer diese Information zur Verf├╝gung zu stellen, k├Ânnen beispielsweise „Bread Crumbs“ verwendet werden. Diese dienen dazu, dem Benutzer R├╝ckmeldung ├╝ber seine derzeitige Position innerhalb der Navigationsstruktur zu geben. Die Bread Crumbs werden – im Gegensatz zu den ├ťberschriften – hierarchisch aufgebaut. Die erste Information stellt den Ausgangspunkt der Navigation, die letzte Information die aktuelle Position in der Navigation dar (z. B. „Deutsche Bank AG > Wertpapiere und Investmentfonds > Wertpapiere > xy-Wertpapier“).

Dorothea Kugelmeier

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Leserbriefe

Was mir in diesem durchaus lesenwerten Artikel fehlt, ist der Hinweis auf die Bedeutung des Seitentitels in Bezug auf Lesezeichen/Bookmarks/Favoriten. Da in der Regel der Seitentitel auch als Titel f├╝r das Lesezeichen verwendet wird, muss der Seitentitel auch in dieser Hinsicht aussagekr├Ąftig sein. Es n├╝tzt mir wenig, wenn ich beispielsweise in meiner Link-Sammlung immer nur „Deutsche Bank“ stehen habe, aber eigentlich nach Investmentinformationen suche. Zwar kann ich den Titel des Lesezeichens jederzeit wieder ├Ąndern, aber das bedeutet einen zus├Ątzlichen Aufwand f├╝r mich, den ich sehr wahrscheinlich im Moment des Anlegens auch gar nicht investieren will. Fr├╝her oder sp├Ąter ├Ąrgere ich mich ├╝ber den unn├╝tzen Titel und l├Âsche m├Âglicherweise gleich das ganze Lesezeichen. Das ist mit Sicherheit nicht im Interesse des Seitenerstellers.

Ich m├Âchte noch auf einen anderen Zusammenhang hinweisen: das TITLE-Attribut eines HTML-Dokuments wird nicht nur in der Darstellung bei Suchmaschinen oder Lesezeichen verwendet, sondern auch als Titel des jeweiligen Browserfensters bzw. des jeweiligen Tabs (Firefox, IE7 usw.). Ein relativ kurzer, aber aussagekr├Ąftiger und eindeutiger Titel ist hinsichtlich der Usability wichtig, um bei mehreren gleichzeitig ge├Âffneten Seiten das jeweilige Fenster schnell und sicher zu finden. Dies wird auch von anderen Programmen wie beispielsweise dem Passwordmanager Keepass ( http://keepass.info/) genutzt, um gespeicherte Passw├Ârter anhand des Fenstertitels aus der Datenbank zu entnehmen und einzuf├╝gen. Eine nicht unerhebliche Zeitersparnis, insbesondere wenn fehlerhafte Anmeldeversuche damit verhindert werden.

In diesem Sinne finde ich es schade, wenn Webautoren auf das Title-Attribut aus Unwissen oder Nachl├Ąssigkeit keinen Wert legen und immer wieder Seiten mit Titeln wie „untitled“ unterkommen oder gar noch einen Text beinhalten, der von einer kopierten Vorlage stammt.

Mit freundlichen Gr├╝├čen

Werner F.

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Zu Ihrem Artikel „Wie sollte man Titel von einzelnen Dokumenten gestalten?“ habe ich noch eine Erg├Ąnzung, die viele AutorInnen nicht ber├╝cksichtigen – die Bookmark-Ansicht. Wenn nutzende Lesezeichen anlegen, sollte der Titel der Webseite einen inhaltlichen Bezug aufweisen, um den Widererkennungswert zu erh├Âhen.

Ansonsten gefiel mir Ihre Antwort.

Mit freundlichen Gr├╝├čen

Marc J.

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