Testung der Usability mobiler Anwendungen

22. M├Ąrz 2006

Mobile Anwendungen unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten von herk├Âmmlichen Desktopanwendungen. Diese Unterschiede m├╝ssen auch bei der Testung ihrer Usability ber├╝cksichtigt werden. Daf├╝r ist eine spezielle Ver├Ąnderung und Anpassung der Testmethoden notwendig. Der vorliegende Artikel diskutiert die Besonderheiten der Untersuchung von mobilen Anwendungen und aktuelle Forschungsfragen in diesem Bereich.

Warum sind mobile Anwendungen besonders?

Die traditionellen Richtlinien und Methoden zur Usability-Testung von Desktop-Anwendungen lassen sich nicht ohne weiteres direkt auf die Untersuchung von mobilen Anwendungen ├╝bertragen. Mobile Anwendungen werden in unterschiedlichsten Umgebungen genutzt. Wobei die jeweilige Umgebung durch den Ort, andere Personen, Objekte und Elemente der Umwelt, die die Aufmerksamkeit des Benutzers einschr├Ąnken k├Ânnen, charakterisiert wird. Au├čerdem sind Netzwerkverbindungen, kleine Bildschirmgr├Â├čen und eine begrenzte Verarbeitungskapazit├Ąt der Ger├Ąte zu ber├╝cksichtigen. Schlie├člich m├╝ssen auch die besonderen Eingabemethoden bei mobilen Anwendungen beachtet werden. Insbesondere geht es dabei um multimodale M├Âglichkeiten der Eingabe.

Forschungsfragen

Verschiedene Studien rund um das Thema der Usability-Testung von mobilen Anwendungen fokussieren unterschiedliche Forschungsfragen. Dabei geht es um die Themen effektive Pr├Ąsentation von Informationen sowie um geeignete Navigationsdesigns auf kleinen Bildschirmen. Andere Studien befassen sich mit der Frage, wie leicht verschiedene Aktivit├Ąten durch den Benutzer ausgef├╝hrt werden k├Ânnen und welche Dateneingabemethoden f├╝r eine schnelle Eingabe geeignet sind. Schlie├člich konzentrieren einige Studien auch auf die Nutzung der Anwendungen in verschiedenen mobilen und wechselnden Kontexten.Der hier zusammengefasste Artikel stellt bisherige Studien zu den unterschiedlichen Forschungsfragen tabellarisch zusammen. Dabei werden auch die verwendeten Methoden und Ergebnisse kurz berichtet.

Praktische Vorgehensweisen bei der Untersuchung

Eine grundlegende Unterscheidung in der methodischen Vorgehensweise besteht zwischen Laborexperimenten und Feldstudien. Beide Methoden haben f├╝r die Untersuchung von mobilen Anwendungen Vorteile und Nachteile. Laborexperimente erlauben gegen├╝ber Feldstudien eine sehr viel bessere Kontrolle der Aufgaben und des Verlaufs der gesamten Untersuchung. Messungen und Interpretation der Ergebnisse sind durch eine Kontrolle irrelevanter Variablen eindeutiger durchf├╝hrbar. Au├čerdem lassen sich im Laborkontext Benutzerreaktionen mit Hilfe von Video- oder Audioaufnahmen registrieren. Allerdings vernachl├Ąssigen Laboruntersuchungen den dynamischen mobilen Kontext und bieten damit nicht die realistische Umgebung, in der ein Ger├Ąt tats├Ąchlich zum Einsatz kommt.Das mobile Ger├Ąt selbst spielt bei der Usability von mobilen Anwendungen eine wesentliche Rolle. Es beeinflusst die Usability der mobilen Anwendung erheblich. Deshalb ist bei der Testung nach M├Âglichkeit dem tats├Ąchlichen mobilen Ger├Ąt der Vorzug zu geben. Emulatoren – also funktionelle Nachbildungen des Systems durch ein anderes – k├Ânnen allerdings f├╝r die Untersuchung des Designs im Entwicklungsprozess notwendig und sinnvoll sein.

Im Rahmen von Laborexperimenten steht eine Vielzahl von Methoden f├╝r das Sammeln von Daten zu Verf├╝gung. Dazu geh├Âren etwa die Beobachtung, das Interview und Fragebogen. Speziell f├╝r Feldstudien sind einige neue Techniken der Datenerhebung entwickelt worden. Dabei k├Ânnen die Testpersonen Probleme oder Anregungen w├Ąhrend der Testphase per Anruf oder via Internet weitergeben.

Die Auswahl der Forschungsmethoden h├Ąngt im Einzelfall von den spezifischen Forschungsfragen ab. F├╝r sehr breite Usabilitystudien ist eine hybride Vorgehensweise sinnvoll, bei der verschiedene Methoden f├╝r die Untersuchung unterschiedlicher Fragen verwendet werden sollten.

Originaltitel: Challenges, Methodologies and Issues in the Usability Testing of Mobile Applications
Autor(en): Zhang, D.; Adipat, B.
Journal: International Journal Of Human-Computer Interaction
Ausgabe: 18(3)
Seiten: 293-308

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