„Ausgetrickst im Internet!“ – Durch Usability-MĂ€ngel in die Abo-Falle.

17. Dezember 2013

Manches Angebot im Internet ist wirklich zu verlockend! Wer kann schon widerstehen, wenn er zum Beispiel bei Facebook ĂŒber einen „Empfohlenen Beitrag“ stolpert, in dem der Abverkauf von Poloshirts eines namhaften Herstellers zum Preis von 3,40 Euro pro StĂŒck angeboten wird. Und genauso soll es sein! Wer sich nĂ€mlich auf der Seite umsieht und dort dann registriert, um sich die Angebote ansehen zu können, geht in die Falle. An Stelle einer Übersicht an gĂŒnstigen Produkten, erhĂ€lt der Nutzer der Internet-Seite nach einigen Tagen eine Rechnung: FĂŒr ein Jahres-Abo, das Kosten von mehreren Hundert Euro nach sich zieht.

Der RechnungsempfĂ€nger wird sich nun die Frage stellen, wie er denn den Hinweis auf die Kosten ĂŒbersehen konnte. Er wĂŒrde beschwören, dass dort ein solcher Hinweis nicht stand.

Die Antwort ist: Der Betreiber hat Usability-MĂ€ngel zu seinen Gunsten ausgenutzt, um den Nutzer der Internet-Seite in eine Abo-Falle zu locken.
Einerseits ist die DialogfĂŒhrung der Internet-Seite so gestaltet, dass der Nutzer sofort das Anmeldeformular ausfĂŒllt. Andererseits sind die wichtigen Informationen ĂŒber Preis und Abonnement auf der Webseite sehr versteckt untergebracht, damit diese ĂŒbersehen werden.

Oft befinden sich diese Informationen am rechten Bildschirmrand. Internet-Nutzer haben gelernt, dass sich in der rechten Spalte in aller Regel Werbung oder eher unwichtige Informationen befinden. Diese „gĂ€ngige Konvention“ sorgt dafĂŒr, dass der Nutzer diesen Bildschirmbereich bei der Erkundung der Internet-Seite quasi automatisch ausblendet. Der Effekt lĂ€sst sich sehr gut in Untersuchungen mittels Eye-Tracking beobachten. Der Betreiber macht sich damit einen Usability-Mangel im Sinne der „ErwartungskonformitĂ€t“ nach DIN ISO 9241-110 zu Nutze.

Meistens werden zudem die Hinweise in sehr kleiner SchriftgrĂ¶ĂŸe und/oder in einer Schriftfarbe untergebracht, die dem Hintergrund der Webseite angepasst ist. So sind diese nur schwer zu erkennen. Damit wird der Anschein aufrecht erhalten, dass es sich im rechten Bereich tatsĂ€chlich nur um unwichtige Informationen handelt. Die Informationen werden nicht gemĂ€ĂŸ ihrer Relevanz hervorgehoben wie es aus Nutzersicht erforderlich wĂ€re. Damit wird ein Usability-Mangel im Sinne der „SelbstbeschreibungsfĂ€higkeit“ nach DIN ISO 9241-110 ausgenutzt.

FĂŒr diejenigen, die sich nun motiviert fĂŒhlen, diese Erkenntnis zu ihrem Vorteil zu nutzen, ein Hinweis:
Derart versteckte Hinweise auf die Kosten fĂŒr die Nutzung einer Internet-Seite sind nach der Rechtsprechung glĂŒcklicher Weise nicht ausreichend. Eine Vielzahl von Gerichten hat bereits entschieden, dass dem Betreiber der Internet-Seite ein Zahlungsanspruch nicht zusteht. (Zum Beispiel: „AG Dresden, Urteil vom 05.10.2011, Az.: 104 C 3441/11“ oder „AG Neuss, Urteil vom 08.01.2013, Az.: 101 C 4710/12“.)

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