Bitte laut denken: „Thinking Aloud“

12. April 2005

Die „Thinking-Aloud-Methode“ ist eine populäre Technik im Bereich von Benutzungstests. Während des Testdurchlaufs fĂĽhrt der Benutzer – die Testperson – Teile eines fĂĽr seine Aufgabe typischen Nutzungsszenarios durch. Bei der Interaktion mit dem zu testenden Produkt soll der Benutzer seine Gedanken, GefĂĽhle und Meinungen verbal äuĂźern.

Vorbereitend wird der Benutzer in das zu testende Produkt (welches sich gegebenenfalls noch in einem prototypischen Stadium befinden kann, und in die durchzufĂĽhrenden Aufgaben eingewiesen. Dann wird der Benutzer aufgefordert diese Aufgaben mit dem Produkt durchzufĂĽhren und zu erklären, was er bei der Benutzung des Produkts denkt. Dabei kann es nötig sein, den Benutzer durch kurze Hinweise wie „Haben Sie dieses Verhalten erwartet?“ zum lauten Denken zu animieren.

Der Nutzen

Durch die „Thinking-Aloud-Methode“ wird offensichtlich, wie der Benutzer mit dem Produkt umgeht und welche Ăśberlegungen er bei der Benutzung anstellt. So kann beispielsweise beobachtet werden, dass Arbeitsschritte, die von dem Produkt bei der Aufgabenerledigung vorgegeben werden, von den durch den Benutzer erwarteten Schritten abweichen. Es wird damit sofort klar, an welchen Stellen der Benutzer das im System verfolgte Konzept falsch interpretiert und warum diese Fehlinterpretation aufgetreten ist.

Damit ist der Hauptnutzen der „Thinking Aloud Methode“ die Erlangung eines besseren Verständnisses vom mentalen Modell des Benutzers und dessen Umgang mit dem Produkt, aber auch ein besseres Verständnis der vom Benutzer gebrauchten Terminologie. Die Methode kann zudem leicht und kostengĂĽnstig ohne aufwendige Testapparaturen zu jedem Zeitpunkt des Entwicklungsprozesses eingesetzt werden.

Potentielle Probleme

Als problematisch kann sich bei der „Thinking-Aloud-Methode“ erweisen, dass die Benutzer fälschlicherweise glauben, bestimmte Erwartungen erfĂĽllen zu mĂĽssen. Dies kann dazu fĂĽhren, dass durch das „Problem der sozialen ErwĂĽnschtheit“ deren Ă„uĂźerungen verfälscht werden. Zudem empfinden manche Benutzer die Methode als ungewohnt und verwirrend und haben Schwierigkeiten bei der Artikulation ihrer Gedanken.

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