Einf├╝hrung in die ISO 9241-10

18. M├Ąrz 2005

Vom Umgang mit Menschen – Benimmregeln f├╝r interaktive Systeme nach ISO 9241-10


Die Zeiten, in denen wir ausschlie├člich mit lebendigen Wesen kommuniziert haben sind l├Ąngst vorbei. T├Ąglich befinden wir uns im regen Dialog mit hoch technischen Artefakten, wie zum Beispiel Computern, Handys oder Fahrkartenautomaten. Sie stellen uns Fragen, geben uns Antwortm├Âglichkeiten vor („Wollen Sie die Datei wirklich l├Âschen? – Ja oder nein?“), sie irritieren und ver├Ąrgern uns, wenn sie unerwartet reagieren und sie bringen uns zur Verzweiflung, wenn sie uns unsere Fehler nicht verzeihen und wir deswegen eine aufwendige Arbeit von neuem beginnen m├╝ssen. Kurz gesagt: Die meisten dieser Artefakte – anders gesagt „interaktiven Systeme“ – mit denen wir uns abgeben m├╝ssen haben leider keinen „Benimm“! Sie verhalten sich r├╝pelhaft und unberechenbar und reagieren oft unverst├Ąndlich. Dabei existieren allgemeing├╝ltige Benimmregeln f├╝r interaktive Systeme, die in den Dialogprinzipien der ISO 9241-10 festgehalten sind. Gem├Ą├č dieser international anerkannten Norm m├╝ssten interaktive Systeme folgende Prinzipien im Umgang mit Menschen beachten:

ISO 9241-10: Die sieben Dialoggrunds├Ątze f├╝r interaktive Systeme

  • Aufgabenangemessenheit
    Ein interaktives System muss seinen Benutzer dabei unterst├╝tzen, seine Aufgabenziele vollst├Ąndig, korrekt und mit einem vertretbaren Aufwand zu erledigen. Dieser Grundsatz wird kurz als Aufgabenangemessenheit bezeichnet.
  • Selbstbeschreibungsf├Ąhigkeit
    Ein interaktives System muss so gestaltet sein, dass sein Benutzer jede R├╝ckmeldung unmittelbar oder auf Anfrage nachvollziehen kann. Unverst├Ąndliche oder fehlende R├╝ckmeldungen sind Verst├Â├če gegen die Selbstbeschreibungsf├Ąhigkeit.
  • Erwartungskonformit├Ąt
    Ein interaktives System sollte einheitlich gestaltet sein und den Merkmalen seines Benutzers entsprechen. Darunter fallen zum Beispiel die Kenntnisse des Benutzers aus dem Arbeitsgebiet, aus seiner Ausbildung und seiner Erfahrung, sowie aus allgemein anerkannten Konventionen. Ein System, das so gestaltet ist, entspricht dem Grundsatz der Erwartungskonformit├Ąt.
  • Fehlertoleranz
    Ein interaktives System muss seinem Benutzer gegen├╝ber Fehlertoleranz beweisen. Dies bedeutet, dass es ihn einerseits vor Fehlern bewahrt – etwa durch klar verst├Ąndliche Sicherheitsabfragen -, den Benutzer aber im Fehlerfall konstruktiv dabei unterst├╝tzt, den gemachten Fehler ohne gro├čen Aufwand zu beheben.
  • Steuerbarkeit
    Ein interaktives System muss sich von seinem Benutzer steuern lassen. Bietet ein Interaktives System zum Beispiel eine „Undo-Funktion“ ist dies im Sinne der Steuerbarkeit.
  • Individualisierbarkeit
    Ein interaktives System muss sich auf die Eigenarten und Vorlieben seines Benutzers und dessen Aufgabenstellungen einlassen. Die M├Âglichkeit zur Vergr├Â├čerung der Schrift ist ein g├Ąngiges Beispiel f├╝r diesen Grundsatz der Individualisierbarkeit.
  • Lernf├Ârderlichkeit
    Ein interaktives System sollte den Benutzer beim Erlernen des Umgangs mit ihm unterst├╝tzen und anleiten. Ein Beispiel f├╝r diesen Grundsatz der Lernf├Ârderlichkeit ist sicherlich in der Bereitstellung einer „Guided Tour“ zu sehen.

Jeder dieser Dialoggrunds├Ątze wird ausf├╝hrlich in den weiteren Artikeln der Rubrik „ISO 9241 – Dialogknigge“ erl├Ąutert.

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