Worin besteht die „digitale Spaltung“?

25. März 2007

Als digitale Spaltung wird das Ph√§nomen bezeichnet, dass Teile der Gesellschaft die Chancen neuer Technologien f√ľr sich zu nutzen wissen, w√§hrend andere Teile der Gesellschaft von diesen M√∂glichkeiten ausgeschlossen sind. Jakob Nielsen unterscheidet in diesem Zusammenhang drei verschiedene Aspekte der digitalen Spaltung: √Ėkonomische, Usability- und Empowerment-Spaltung.

Der Begriff der „digitalen Spaltung“ bezeichnet das Ph√§nomen, dass bestimmte Teile der Bev√∂lkerung bessere Chancen haben, von den neuen Technologien zu profitieren als anderen Teile der Gesellschaft. Jakob Nielsen sieht in diesem Zusammenhang drei verschiedene Aspekte der digitalen Spaltung: Eine √∂konomische Spaltung, eine Usability-Spaltung und eine Empowerment-Spaltung.

√Ėkonomische Spaltung

Die digitale Spaltung manifestiert sich √∂konomisch in der Tatsache, dass manche Personen sich keinen Computer leisten k√∂nnen. In Gegenden wie Nordamerika, Europa, Australien und den entwickelten Staaten Asiens werden Computer in Zukunft aber immer g√ľnstiger werden. Aus diesem Grund wird die √∂konomische Spaltung in diesen L√§ndern laut Nielsen in Zukunft eine immer geringere Rolle spielen.

Usability-Spaltung

Viel gravierender als die √∂konomische Spaltung sei die Tatsache, dass Technologien heute so kompliziert sind, dass viele Menschen keine Computer nutzen k√∂nnten, auch wenn sie ihn umsonst bek√§men. Andere Menschen k√∂nnen einen Computer zwar ansatzweise nutzen, erreichen aber auf Grund der Kompliziertheit nicht den vollen m√∂glichen Nutzen. Beispielsweise verf√ľgt ein Gro√üteil der Bev√∂lkerung √ľber nur geringe Lesef√§higkeiten. Bisher folgen aber sehr wenige Webseiten den Richtlinien, wie man f√ľr Leser mit geringen Lesef√§higkeiten schreibt. Sogar Regierungsseiten, die sich an √§rmere Menschen richten, sind h√§ufig auf dem Niveau von Hochschulabsolventen geschrieben.

Jakob Nielsen sieht nur wenige Fortschritte beim Schlie√üen der Usability-Spaltung. Die Usability verbessere sich f√ľr die Benutzer aus h√∂heren Bildungsschichten F√ľr diese Benutzergruppe werden Webseiten immer einfacher nutzbar. Aber f√ľr die vielen Benutzer mit geringeren Lesef√§higkeiten g√§be es wenige Verbesserungen hinsichtlich der Usability, obwohl das Wissen f√ľr eine Steigerung der Usability f√ľr diesen Personenkreis vorhanden sei.

Empowerment-Spaltung

Unter Empowerment (dt. Bevollm√§chtigung) versteht man die Selbstbestimmung von Personen in Bezug auf ihre eigenen Belange. Ma√ünahmen f√ľr Empowerment wollen Menschen darin unterst√ľtzen, ihre Gestaltungsspielr√§ume und Ressourcen eigenm√§chtig wahrzunehmen. Die Empowerment-Spaltung stellt nach Ansicht von Nielsen die schwierigste H√ľrde bei der √úberwindung der digitalen Spaltung dar. Auch wenn Computer und das Internet au√üerordentlich einfach zu nutzen w√§ren, w√ľrden nicht alle Menschen partizipieren und von den M√∂glichkeiten dieser Technologien Gebrauch machen.

Das Internet kann einen Beitrag zur Selbstbestimmung von Menschen leisten, in dem es Leuten dabei hilft, gute Gesch√§fte zu machen, g√ľnstige Anbieter zu finden und ihre Finanzen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite fehlen vielen Benutzern Initiative und F√§higkeiten, um ihre Angelegenheiten eigenst√§ndig zu regeln. Sie geben sich h√§ufig mit den Ratschl√§gen anderer Personen zufrieden, anstatt f√ľr sich selbst das Geeignete auszuw√§hlen. Dieser Personenkreis l√§uft Gefahr im Internet get√§uscht und √ľber den Tisch gezogen zu werden.

Fazit

Insgesamt zeigt sich Jakob Nielsen sehr optimistisch in Bezug auf die √∂konomische Spaltung, welche seiner Ansicht nach in den industrialisierten L√§ndern schnell verschwinden wird. Es werde l√§nger dauern, die Usability-Spaltung zu schlie√üen. Aber letztendlich glaubt Nielsen daran, dass diese Spaltung √ľberwunden werden kann. Es bed√ľrfte lediglich einer Entscheidung daf√ľr. Pessimistisch ist Jakob Nielsen hingegen in Bezug auf die Empowerment-Spaltung, welche sich aus seiner Sicht in Zukunft weiter vergr√∂√üern werde.

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung der Kolumne von Jakob Nielsen.

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Nullen und Einsen und die „digitale Spaltung“

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